Minolta 80-200 f2.8 APO

” Der weiße Riese”

Das Minolta 80-200 f2.8 APO – bekannt unter seinem Spitznamen “Der weiße Riese” – war mein erstes wirklich gutes Objektiv und ich verbinde viele magische Momente damit. Zuvor hatte ich ein Tamron 18-250, mit welchem ich erste Erfahrungen sammelte und das von allem ein bisschen was konnte – aber eben nichts bis zur Perfektion beherrschte. Gemessen am weißen Riesen hatte das Tamron die optische Qualität eines Flaschenbodens. Ich möchte damit das Tamron nicht schlecht machen – oh nein! – aber das Minolta 80-200 spielte in einer anderen Liga. Auf einem anderen Planeten.

Der Schwabe versteht die Welt nicht mehr

Wie dem auch sei, es war mir sehr, sehr schwer zu vermitteln, wieso zum Teufel ich für ein 10 Jahre altes Objektiv, das noch dazu einen wesentlich kleineren Brennweitenbereich abdeckte, über 1.000 € zahlen sollte. Für das Tamron habe ich irgendwas zwischen 300 und 400 € investiert! Der schwäbische (sparsame) Teil meines Genoms rebellierte!

Gleichzeitig wusste ich auch, dass meine Bilder mit dem Tamron zwar gut waren (solang man nicht allzustark vergrößerte, das Licht stimmte und der Fokus saß) – dass sie aber besser sein könnten und dass eine durchgehende Blende von 2.8 ein hammermäßiges Argument war. Erschwerend kam hinzu, dass die WM 2010 vor der Türe stand und ich die Feierlichkeiten in der Augsburger Innenstadt einfangen wollte. Hierfür brauchte ich gutes Material! Außerdem musste es ja einen Grund haben, warum dieses Glas von allen Sony-Jüngern nahezu vergöttert wurde. Der Einzelkind-ich-will-alles-und-ich-will-es-jetzt-Teil meines Genoms rebellierte… und obsiegte.

Der Geizhals (er)findet Ausreden

Ich tat, was ein Raucher tun würde und erfand Ausreden. “Eine zum Aufstehen, eine vor dem Frühstück, eine nach dem Frühstück.” Man muss nur einen Anlass finden!

In meinem Fall waren die “Argumente”, welche meine Vernunft unterdrücken sollten, eher, dass ein Objektiv eine einmalige Anschaffung ist, seltenst kaputt geht und seinen Preis behält. Wenn mir die Linse nicht gefallen sollte, könnte ich sie immer noch verkaufen. So log ich mir selber in die Tasche und redete mir den Kauf schön.

Denkste! Dieses Objektiv verkauft man nicht mehr! Jedenfalls nicht, ehe man Haus und Hof samt Groß- und Schwiegermutter versetzt und zahlreiche Kredite aufgenommen hat.

Allein die messbaren, vermittelbaren Fakten sind beeindruckend :

  • hervorragende Lichtstärke (halb so kurze Belichtungszeit wie bei Blende 4.0!)
  • rasend schneller Autofokus, der mit wuchtigem “Klack!” einrastet. Und sitzt. Immer!
  • Eigenes Stativgewinde
  • Kaum Verzeichnung und nur geringe Vignettierung
  • Unglaubliche Schärfeleistung, selbst bei Offenblende – phänomenal!

Viel mehr aber begeisterten mich die Dinge, die man nicht messen und nur schwer beschreiben kann :

  • Das Bokeh! Wolkig, sanft, idyllisch – aber das alles sind nur Worte, unfähig, die Exzellenz einfzufangen!
  • Die Farben! Durch die apochromatische Korrektur dieses Objektivs zaubert dieses Farben, die locker an die einer Leica-Linse heranreicht oder diese sogar übertrifft.
  • Das Gefühl mit so einem riesigen, weißen Objektiv (inkl. Gegenlichtblende) durch die Stadt zu laufen, ist enorm spaßig! Erst denkt man sich gar nichts dabei, aber anscheinend halten einen alle Leute auf einmal für einen Pressefotografen und schmeißen sich freiwillig in Pose Minolta 80 200 f2.8 APO Es muss nicht immer die kleine, unscheinbare Knippse sein!

Natürlich hat dieses Objektiv auch seine Schattenseiten. Es ist groß, es ist schwer und mit einer Einstellgrenze von 1.20 Meter braucht man schon ein bisschen Platz, um zu arbeiten. Unwichtig!

Diesem Objektiv verdanke ich nicht nur sehr viele wundervolle Bilder und einen ganzen Haufen Spaß, sondern vor allem die Erkenntnis, dass die ganzen Altklugen da draußen recht haben : Schmeiß Dein Geld nicht für eine überteuerte Kamera raus! Die Kamera ist nach drei Jahren nur noch die Hälfte wert.

Schmeiß Dein Geld lieber für ein überteuertes Objektiv raus – denn das ist unbezahlbar Minolta 80 200 f2.8 APO

 

2 Gedanken zu “Minolta 80-200 f2.8 APO

  1. Hallo,

    ich finde den Text sehr informativ. Bin derzeit selber am Überlegen, mir einen “weißen Riesen” zu holen. Bin mir aber noch unsicher, wie stark dieser wirklich in der Tierfotografie und Sportfotografie ist, da das Nachführen ja einen kleinen Nachteil darstellen soll.
    Das Objektiv würde bei mir an einer A77 laufen.

    Vielleicht können Sie mir weiterhelfen, gern auch mit Beispielfotos..

    Liebe Grüße
    Larissa

  2. Ein genialer Text, den ich nur zur gut nachempfinden kann. Ich habe heute auch zugeschlagen. Am Wochenende oder zu Beginn der kommenden Woche müßte es da sein – hoffe ich. O, wie habe ich mir die Sache schönheredet :D Ich bin sehr gespannt auf das Teil. Ist auch meine erste Profilinse.

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