SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Ein SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review zu schreiben – davon habe ich lange geträumt! Dieses Objektiv war für mich so etwas wie der heilige Gral der Lichtstärke und nach etlichen betrachteten Bildern und gelesenen Reviews erschien es mir dem fast schon sagenumwobenen Leica Noctilux-M 1:0,95/50 mm ASPH ein würdiger Konkurrent zu sein! Aber eins nach dem anderen. Der chinesische Hersteller “SLR Magic” zählt nämlich nicht gerade zu den großen Namen im Reigen der Objektivhersteller und ich werde euch nachher noch vom seltsam anmutenden Service dieser Gestalten erzählen… Wie also kommt diese Firma dazu, solch ein Spezialobjektiv zu fertigen und können die das überhaupt? Tatsächlich war SLR Magic lange Zeit nur als Hersteller von Plastikmist-Spaßobjektiven im Micro-Four-Thirds-System zu finden. Diese waren zwar alle sehr lichtstark, aber von der optischen Qualität eher mit Flaschenböden zu vergleichen…  von Bierflaschen… mit Inhalt!

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Irgendwann sahen die Chinesen dann wohl ein, dass sie mit so einem Schrott die Überlegenheit des Kommunismus nur unzureichend belegen konnten. So etwas konnte jeder Instagram-Filter besser. Die Jungs beschlossen also die Herstellung der SLR Magic Hyperprime – Linie. Die war nicht nur noch lichtstärker, sondern optisch auch anspruchsvoller konstruiert. Hauptsächlich findet man die Hyperprime-Objektive zwar nach wie vor mit MFT-Anschluss, aber auch das E-Bajonett (Sony NEX) und sogar das M-Mount von Leica wurden erschlossen. Die Speerspitze der Entwicklung sehen wir nun hier im SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review. Zerpflücken wir zunächst einmal den Namen, der uns einiges verrät :

SLR Magic – klar : der Hersteller

Hyperprime – damit bezeichnen die Jungs aus Fernost ihre lichtstarken Objektive mit etwas besserer optischer Leistung. Dennoch ist z.B. das 50mm Hyperprime für APS-C oder MFT-Sensoren optisch nicht gerade ein Leckerbissen. Das hier getetestete Vollformat-Exemplar hingegen ist durchaus ernstzunehmen.

50mm – hm, könnte glatt die Brennweite sein SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

0.95 -hm, könnte glatt die Blendenöffnung sein … haha! Falsch gedacht! SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review Hierbei handelt es sich nicht um die “f-Nummer” der maximalen Blendenöffnung, sondern um die sogenannte “t-Nummer”, die die verbleibende, effektive Lichtstärke des Objektivs nach Passieren der ganzen Linsen usw. bezeichnet. Die effektive f-Nummer des SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE beträgt tatsächlich 0.92 (und stellt damit, ganz nebenbei bemerkt, sogar das 11.000 $ teure Leica Noctilux in den Schatten!). Es ist derzeit das lichtstärkste 50mm-Objektiv, welches noch produziert wird.

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Nicht f/0.95, sondern T!

LM – damit wird die Version des SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE für das Leica M-Mount bezeichnet. ACHTUNG! Es gibt auch eine 50mm 0.95 CINE Version für MFT oder Sony NEX, welche optisch eindeutig minderwertig ist – und auch “nur” 1000 € kostet.

CINE – kurz für “Cinema” und zielt auf die Filmer unter uns ab. Diese Version ist mit stufenloser Blendeneinstellung ausgestattet (also ohne “Clicks”), um plötzliche Belichtungssprünge beim Ändern der Blende zu verhindern. Beim Photographieren ist das Schnuppe – beim Filmen aber manchmal durchaus lästig. Eigentlich eine echt gute Idee : klarer Vorteil für die Filmer, kein Nachteil für die Photographen… auf das ABER gehe ich nachher noch ein.

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Punktuelle Schärfe, Blicklenkung, wundervoller Glow und sofort einsetzendes Bokeh . Dafür wurde das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE geschaffen!

Obwohl die f-Nummer also f/0.92 wäre, werde ich in diesem SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review der Einfachheit halber die Bezeichnung mit 0.95 beibehalten. Die drei Hunderdstel Abweichung soll man mir nachsehen SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Was also soll man vom Hyperprime halten und wie schlägt es sich im Vergleich zu anderen Festbrennweiten mit Leica Bajonett wie z.B. dem Zeiss 50mm f1.5 C Sonnar oder dem Voigtländer 50mm f1.5 Nokton ASPH? Das alles werden wir herausfinden!

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review – Ein paar Worte vorab…

Bei diesem SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review solltet ihr eines wissen : Wie viele andere wundervolle Dinge im Leben ist dieses Objektiv absolut unsinnig. Niemand BRAUCHT es nach objektiven (höhö, 5 € in die Wortspielkasse) Maßstäben wirklich. Es ist, wenn man es z.B. mit dem Voigtländer 50mm f1.5 Nokton ASPH vergleicht, riesig und sauschwer. Noch dazu kostet das Trumm aus Fernost mindestens 3000 € und das alles ohne Garantie, ohne Autofokus und ohne automatische Blendensteuerung!…. Hm. Was soll ich dazu sagen? Ganz einfach : NO RISK, NO FUN! SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Ein ziemlicher Brocken für eine 50er Festbrennweite.

(Update : Mittlerweile ich das SLR Magic 50mm f0.95 Hyperprime für Vollformat-Bildkreis auch über die englische Dependance von SLR Magic erhältlich – sogar mit 2 Jahren Garantie! Da capo! Preis : 2400 GBP, also ca. 3000 € – ohne Importzoll, weil Großbritannien ja zur EU gehört!)

Aber im Ernst : Beim Erstellen dieses SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Reviews wurde mir klar : Das Hyperprime ist auch abgesehen von diesen offensichtlichen Unsinnigkeiten kein Objektiv für jedermann! Man muss es nicht nur mögen, sondern auch lernen, es zu beherrschen.

Zunächst wäre da die hauchdünne Schärfeebene. Wer schon einmal mit einem Objektiv mit 1.4er Lichtstärke photographiert hat, kennt die Problematik. Die eine Augenbraue ist im Schärfebereich, die daneben verschwindet schon in der Unschärfe. Die Blendenöffnung des SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE ist mehr als DOPPELT so groß wie die eines 50mm-Objektivs mit Lichtstärke 1.4. Die Schärfeebene ist bei Offenblende kaum existent – und selbst der Bereich, der scharf ist (oder sein sollte), ist es – zumindest bei Offenblende – nie wirklich.

Beim SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE geht es trotz der riesigen Blendenöffnung NICHT um Lichtstärke! Wer Lichtstärke will, der soll sich eine Nikon D4 kaufen, die selbst ISO-Werte von 25.600 noch gut aussehen lässt.

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE bei Offenblende. Die riesige Öffnung ist größer als die Brennweite selbst.

Bei diesem Objektiv geht es NICHT um Schärfe bei Offenblende! Wer Schärfe will, der soll sich das neue Zeiss Otus 1.4/55mm kaufen. Prinzipbedingt haben fast alle sehr lichtstarken Objektive ihre Schwächen, was Schärfe angeht. Meist muss man 1-2 Blendenstufen abblenden, um die volle Schärfe zu erzielen.

So – und nachdem ich euch jetzt das Hyperprime ziemlich madig gemacht habe, vergesst einfach alles, was ich hier an Kritik geäußert habe, denn das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE ist der geilste Scheiß in Objektivform, den ich je in Händen hielt! Alle Unzulänglichkeiten verpuffen einfach angesichts dessen, was dieses Glas auf den Sensor zaubert – it`s magic! SLR Magic! (nein, ich kriege kein Geld von den Chinesen und de facto sind mir die Kameraden mittlerweile ziemlich unsympathisch geworden) Worum geht es nun also überhaupt bei diesem Objektiv?

Es geht um UNSCHÄRFE – denn alles, was nicht wirklich 100%ig in der atomdünnen Schärfeebene liegt, verschwindet sofort im Bokeh.

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Die kreisrund schließende Blende zeichnet für ein harmonisches Bokeh verantwortlich.

Wozu die Unschärfe gut sein soll? Der Blick des Betrachters wird sofort an das zentrale Motiv getackert und es erscheint plastisch aus dem Bild hervorzutreten. Dieser Effekt wird auch gerne als “3D Pop” bezeichnet und nie zuvor habe ich dem so zustimmen müssen!

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Hier fragt sich wohl niemand, was das zentrale Bildmotiv ist. (Leopoldstr. München)

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review – die Konkurrenz

Die Idee eines lichtstarken 50mm-Objektivs ist nicht neu und fast jeder Hersteller hat eine 50mm-Festbrennweite mit Lichtstärke von 1.4 im Sortiment. Noch lichtstärkere Objektive sind sehr rar und fast nie mit Autofokus erhältlich. Wenn wir also keine 1.4er Lichtstärke wollen, sondern in den Bereich der doppelt so lichtstarken 1.0er Lichtstärke gehen, dann wird die Luft sehr dünn und die Konkurrenz zum SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE sehr übersichtlich.

Im Grunde gibt es nur zwei ernstzunehmende und ähnlich “helle” Objektive :

Andere lichtstarke 50er Brennweiten wären das Leica 50 Summilux oder das Zeiss 50mm f1.5 C Sonnar ZM. Diese (sehr wundervollen) Objektive sind allerdings nur etwa halb so lichtstark.

Wenn wir im SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review nun das Voigtländer 50mm f1.1 Nokton zum Vergleich heranziehen, stellen wir fest :

  • leichter als das Hyperprime
  • kleiner
  • 1/3 Blende weniger lichtstark
  • viiiiiel billiger (ca. 1000 € vs. knapp 3000 €)

Die optische Performance des Voigtländer jedoch ist nicht das gelbe vom Ei. Ich persönlich habe den Eindruck gewonnen, dass es noch unschärfer ist als das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE und außerdem das Bokeh sehr unruhig, inhomogen und hart wirkt. Für mich fast schon ein KO-Kriterium, das gegen das Voigtländer spricht. Ein lichtstarkes Objektiv sollte auch ein schönes Bokeh haben – wofür habe ich es sonst gekauft? Wenn man jedoch auf das Preis/Leistungsverhältnis wert legt, ist es allerdings eine klare Empfehlung! Auch die Verarbeitung des Voigtländer Nokton 50mm f1.1 ist über jeden Zweifel erhaben. Ein Panzer ist ein Witz dagegen SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Nachts bei Offenblende! Die Schärfe überraschte mich positiv. 1/40s, f0.95, ISo 1600

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review : Die Stunde der Wahrheit

Doch wie schlägt sich das Hyperprime von SLR Magic gegen den “King of the Night” (Zitat von leica.com), das Leica Noctilux 50mm f0.95 ASPH? Vorerst muss ich anmerken, dass ich selbst noch niemals ein Leica Noctilux an meiner Sony A7R testen konnte. Meine Einschätzung hier beruht auf intensiven Recherchen und Vergleichsbildern in voller Auflösung (manchmal im RAW-Format), die ich aufmerksam studiert habe.

Das Leica Noctilux ist ein “historisch gewachsenes” Spezialobjektiv für Low-Light-Situationen und Portraitphotographie. Es war seit 1976 in der f1.0-Version erhältlich. Diese wurde 2009 vom aktuellen Noctilux mit asphärischem Element und f0.95 abgelöst. Einerseits muss man sagen, dass das neue Noctilux wesentlich kontrastreicher und auch schärfer zeichnet als das alte. Andererseits ist es weit davon entfernt, einen Schärfevergleich mit einem “normalen” Objektiv zu gewinnen!

Ebenso wie das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE ist das Leica Noctilux 50mm f0.95 ASPH gebaut um zwei Dinge zu liefern : Lichtstärke und eine hauchdünne Schärfeebene mit damit verbundenem Bokeh. Beides sind Spezialobjektive für Leute, die damit umgehen können. Und bockschwer! Bei diesem SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review muss ich ganz explizit darauf hinweisen : unterschätzt niemals, wie hauchdünn die “Depth of Field” (engl. für Schärfeebene) ist! Ihr könnt vielleicht bei ISO 50 mit Offenblende eine Belichtungszeit von 1/8000 Sekunde realisieren – aber das Bild kann trotzdem unscharf sein. Warum? Weil ihr euch EINEN MILLIMETER von der Schärfeebene entfernt habt – oder euer Motiv. Ihr braucht eine Hand wie ein Chirurgen-Scharfschütze auf Valium! Ich selbst versuche stets, einen sicheren Stand zu haben und zwischen meinen Herzschlägen auszulösen. Kein Witz!

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

“Der Archivar”
1/20s, f0.95, ISO 50 mit der Sony A7R und dem SLR Magic Hyperprima 50mm f0.95 LM CINE

Was die Verarbeitungsqualität angeht, ist Leica wie die Kinderwetten bei “Wetten dass…?” : Außer Konkurrenz! Wer je ein Leica-Objektiv wie z.B. das Leica 35mm Summicron ASPH in Händen hielt und spürte, wie die Mechanik fast frei von jeglichen Toleranzen ist und dennoch unzerstörtbar anmutet, der weiß, wovon ich spreche. Nicht einmal wirklich hochwertige Hersteller wie z.B. Zeiss können dieser unvergleichlichen Verarbeitung das Wasser reichen. Man nimmt ein Leica-Objektiv in die Hand und weiß sofort, warum “Made in Germany” von manchem Amerikaner als ausreichende Qualitätsbeschreibung gesehen wird. Zumindest, wenn es um Objektive geht – oder Autos. Gut, ok – um Zeiss hier nicht runterzumachen sei auch erwähnt, dass Zeiss-Objektive bei vergleichbarer optischer Leistung meist nur ein Drittel des Leica-Pendants kosten.

Was soll ich also angesichts dieser beiden großen Namen zum SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE sagen? Zunächst einmal, dass ich es selber kaum glauben konnte. Ich erhielt das Hyperprime in der Originalverpackung, welche aus einem stinknormalen braunen Karton besteht. Kein Lederköcher oder Magnetverschluss. Ein Karton! Ohne Bild darauf oder sonstigen Nettigkeiten. I repeat : Ein stinknormaler Karton. Mh. Da zahlst 3000 € für ein Objektiv und kriegst nichtmal dieses “Deluxe-Feeling” beim Auspacken? Enttäuschend. Aber man will ja nicht oberflächlich sein und so entnahm ich das SLR Magic Hyperprime aus dem passgeformten Schaumstoff. Vielmehr : ich versuchte es. Denn zum einen ist das 50er Hyperprime deutlich schwerer als erwartet und wirklich absolut passgenau in den Schaumstoff eingesetzt. Erst auf Versuch Nummer zwei klappte es. Erste positive Überraschung.

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Straßenmusikant in München / Leopoldstraße

Aber auch ansonsten wurde der positive Gesamteindruck immer stärker. Die wertige Schwere kommt nicht von ungefähr, sondern rührt von einer aufwändig konstruierten Optik und der nicht sparsamen Verwendung von Metall her. Die Fokussierung läuft gleichmäßig-weich, aber nicht ohne einen gewissen Kraftaufwand. Klar, es muss ja einiges an Glas im Inneren bewegt werden. Auch die Lackierung ist sehr wertig und kratzbeständig ausgefallen. Ich vermute eine hochwertige Anodisierung, welche oftmals sogar abriebfester ist als z.B. Kupfer.

Ein weiteres nettes Gimmick ist die eingebaute Gegenlichtblende, die man einfach nach vorne ziehen kann. Störende Reflektionen (“Ghosts” / Lens Flare) von seitlich einfallendem Störlicht werden so wirksam verhindert. Die Blende rastet zwar nicht ein, hält aber durch Reibung dennoch gut. Auch durch das normale Handling nicht verrutschen. Eine durchdachte Detaillösung also! Me gusta!

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Gegenlichtblende unten… (mit vorne überstehendem UV-Filter)

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

… und ausgefahren.

Wenn ich ein SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review (Betonung auf CINE!) schreibe, dann muss ich natürlich auf diese Eigenschaft auch gezielt eingehen. Wie weiter oben schon angedeutet, bedeutet “CINE”, dass die Verstellung der Blendenöffnung hier nicht wie sonst üblich in festgelegten Drittelstufen erfolgt, sondern stufenlos. Das hat einerseits den Vorteil, dass man gerade beim Filmen (CINE) die Schärfentiefe sehr gut steuern kann und keine Belichtungssprünge hat, sondern die Blende einfach langsam verändert. Soweit die Theorie.

Praktisch jedoch ist dieses Konzept schlecht umgesetzt, da die Blende sich nur so schwergängig verstellen lässt, dass man unweigerlich die Kamera mitdreht und somit das Bild schräg wird. Bei Kälte wird das Problem noch viel schlimmer, was wohl auf das zäher werdende Schmiermittel im Blendenring zurückzuführen ist.

Ein weiterer Nachteil dieses Konzepts ist die fehlende Reproduzierbarkeit und exakte Fein-Einstellung von Belichtung und Schärfentiefe gerade bei kleineren Blenden. Da die Blendenstufen nicht sauber einrasten, sondern manuell eingestellt werden, ergeben sich gerade bei kleinen Blenden oftmals kleine Abweichungen. Mir persönlich ist das egal, da ich das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE für dieses Review fast nur mit Offenblende verwende und es auch sonst für MICH keine große Relevanz hat – aber ich wollte es mal gesagt haben.

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Gleiches Bild wie oben schon einmal.  Was man auch noch erkennt : die Blende 11 konnte aus Platzgründen nicht graviert werden. Na, na! Abzüge in der B-Note!

Doch zurück zur Verarbeitungsqualität! Wenn wir nur und ganz alleine die Solidität und “Unzerstörbarkeit” eines Objektivs betrachten und eine Skala von 1-10 zugrundelegen, so sehe ich kaum einen gravierenden Unterschied zwischen dem SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE und der Referenz, dem Leica Noctilux 50mm f0.95 ASPH. Beide Male 10 Punkte. Sic!

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

ISO 100, 1/1600s, f0.95 – SLR Magic Hyperprime 50mm f0.95 LM CINE an Sony A7R. Bearbeitet mit Alienskin Exposure.

Tatsächlich ist das Hyperprime eine fast schon dreiste Kopie des Noctilux und, das muss man neidlos anerkennen, im Nachmachen sind die Chinesen verdammt gut!

Dennoch, bezieht man die Exaktheit und Leichtgängigkeit des gesamten Systems mit ein, so wird bald klar, dass das Noctilux die Nase vorne hat. Die Weichheit, mit der die mechanischen Bauteile ineinandergreifen, das wertige Rasten der Blendenstufen, die Haptik… alles traumhaft! Hier muss das SLR Magic Hyperprime 50mm f0.95 LM CINE eindeutig Punkte abgeben. Allerdings, seien wir mal pragmatisch: Es kostet auch weniger als die Häfte des Leica-Pendants!

In einem für mich sehr, sehr wichtigen Punkt ist das Hyperprime dem Leica Noctilux jedoch maßgeblich überlegen : die Naheinstellungsgrenze! Diese beträgt beim Leica Noctilux 50mm f0.95 ASPH einen ganzen Meter – beim SLR Magic Hyperprime 50mm f0.95 LM CINE jedoch nur 70 cm! Das ist ein sehr erheblicher Unterschied und in der täglichen Praxis bewegt man sich öfter in diesen 30 cm “Niemansland”, als man meinen möchte.

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

Nicht auf Leica-Niveau, aber dennoch präzise gefräst!

 

SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review – das Fazit

Das Hyperprime ist ein supergeiles Objektiv, welches Bildern einen unverwechselbaren Touch geben kann – dafür verlangt es aber Einsatz und Leidensfähigkeit. Das erhebliche Gewicht will getragen und die Schärfe gezielt gesetzt werden.

Optische Fehler sind in jeder möglichen Erscheinungsform vertreten : longitudinale CAs? Sphärische CAs? Vignettierung? Randunschärfe? Alles in teilweise erheblichem Maße vorhanden! Mit Abblenden auf f2.0 werden die schlimmsten Fehler jedoch bereits erheblich reduziert und die Leistung steigert sich bis f8.0 kontinuierlich.

Aber darum geht es hier nicht! Es geht um den Look bei Offenblende und der ist phänomenal – ebenso wie die Verarbeitungsqualität und die extreme Lichtstärke. Diese ist so hoch, dass man bei hellem Sonnenschein oft einen ND-Filter benötigt, um tagsüber bei Offenblende photographieren zu können. Trotz ISO 50 und 1/8000s Belichtungszeit!

Dankenswerterweise legt SLR Magic standardmäßig einen ND3-Filter in “Slim”-Design bei. Leica macht das nicht.

… und dann wäre da noch das Preis/Leistungsverhältnis. Das ist einerseits absolut verrückt; 3000 € für ein Objektiv, das im Grunde nur eine Sache wirklich gut kann? Pffft…. da muss man schon ein ziemlicher Photo-Freak sein oder nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld. Andererseits erscheint das SLR Magic Hyperprime 50mm f0.95 LM CINE schon regelrecht vernünftig, wenn man es in Relation zum Leica Noctilux setzt. Beide liefern optisch fast vergleichbare Leistung (bis auf die unterschiedliche Naheinstellgrenze) und unterscheiden sich ansonsten lediglich leicht in der Verarbeitungsqualität. Dieser Punkt geht dafür aber auch wieder an Leica.

Insgesamt kann ich das SLR Magic Hyperprime 50mm f0.95 LM CINE absolut bedenkenlos empfehlen. Wer dieses Glas will und vielleicht sogar “braucht” (oder das glaubt), der weiß es selber.

… letzter Punkt des SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review : der Service

Ich habe es vorher ja bereits mehrfach angekündigt : ich und die Chinesen sind nicht gerade beste Freunde geworden. Woran lag das?

Zunächst habe ich mich natürlich sehr lange damit beschäftigt, ob ich das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE nun wirklich unbedingt brauche und mir die Anschaffung aufgrund des hohen Preises gründlich überlegt. Mit meinen Fragen wandte ich mich direkt via E-Mail an den Hersteller und erhielt auch jedes Mal schnell und freundlich Auskunft.

Das gefiel mir als Kunde natürlich äußerst gut und zusammen mit den guten optischen Leistungen gab auch das den Ausschlag dafür, das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE direkt beim Hersteller in China zu bestellen und via PayPal zu bezahlen. Bis hierher war also alles glatt gelaufen und ich war zufrieden. Auch war mir bekannt, dass das Objektiv nur auf Auftrag gefertigt wird und somit einige Zeit ins Land gehen würde, bis ich es in Händen halten kann.

Der Ärger begann erst dann, als ich zunächst einen kleinen Sonderwunsch via E-Mail äußerte und einige Tage später noch die Frage nach dem ungefähren Lieferdatum stellte. Beide E-Mails blieben für fast zwei Wochen unbeantwortet. Erst eine sehr deutlich formulierte E-Mail, in welcher ich angab, dass dieses Verhalten wohl kaum vertrauensfördernd sei, führte zu einer Antwort. – Allerdings nicht zur gewünschten. Es wurde mir einfach angeboten, vom Kauf zurückzutreten und mir mein Geld wieder zurückzuüberweisen.

Zum einen finde ich es reichlich unprofessionell, ab Geldeingang nicht mehr mit dem Kunden zu korrespondieren, nachdem zuvor jede Anfrage binnen weniger Stunden beantwortet worden war und zum anderen machte mich das sofortige Angebot, mir mein Geld zurückzuüberweisen, sehr stutzig. Da das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE – wie auf der Herstellerseite vermerkt war – nur auf Auftrag gefertigt wird, bedeutete das für mich, dass entweder mit der Fertigung meines SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE noch nicht begonnen worden war (nach fast zwei Wochen!) oder diese Aussage einfach nicht der Wahrheit entsprach.

So oder so : das Vertrauen war dahin und ich entschied mich für die Rücküberweisung des Geldes. Auch diese ging erst mit einiger Verzögerung und nach sehr deftigen Beschwerde-E-Mails über die Bühne. Kein schönes Gefühl, knapp 3000 € einfach so in der Schwebe zu wissen…

Beachtet bitte, dass man zwischenzeitlich das auch direkt in Großbritannien bestellen kann und nicht wie ich in China. Wie es dort um den Service bestellt ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe mein SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE jedenfalls gebraucht von einem deutschen Vorbesitzer erworben und in tadellosen Zustand erhalten.

3 Gedanken zu “SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review

  1. Pingback: ENDLICH FERTIG : Das SLR Magic Hyperprime 50mm 0.95 LM CINE Review! MünchenPhotoMünchenPhoto

  2. Hallo Constantin, sehr interessanter Report. Aber trotz allem würde ich mir, wenn ich so ein Objektiv unbedingt haben will, das Leica Noctilux 50mm f0.95 ASPH kaufen, auch wenn ich das Doppelte zu zahlen hätte. Wenn schon – denn schon! Mit Vernunft ist so ein Objektiv im Amatuersektor eh’ nicht mehr zu begründen, für den Profi wohl eher schon… Die Vorteile des Leica hast du ja gut herausgestellt. Und Leica nun mal Leica und ferner dürfte der Werterhalt über Jahre gesehen deutlich, sehr deutlich, für das Leica-Objektiv sprechen (wenn man das Objektiv doch mal wieder verkaufen will).

    LG, Bernd

    • Hallo, Bernd!

      Wir haben ja schon man drüber geschäkert : Ich würde das SLR Magic Hyperprime nehmen, weil es von der optischen Qualität gleichwertig zum Leica einzustufen ist. Die Verarbeitungsqualität scheint mir momentan gut genug als dass das Glas 20 Jahre Nutzungsdauer ohne Probleme übersteht… und für den Differenzbetrag zum Leica kann man einige schöne Photo-Reisen unternehmen *g*.

      Klar : wer sich Leica mit Haut und Haaren verschrieben hat, wird seine Ansichten nicht ändern – aber für uns anderen ist es schön eine Alternative zu haben.

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