Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Quelle : Carl Zeiss AG

Ein Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review zu schreiben, war eine  Zwangsläufigkeit, denn das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon ist ein Objektiv, mit dem man sich automatisch beschäftigen muss, wenn man sich für Leica M-Mount-Objektive interessiert. Es ist klein, leicht, lichtstark, relativ günstig und von herausragender optischer Qualität. M-Mount Objektive werden zumeist an Messsucherkameras wie der Leica M, der Zeiss Ikon oder der Bessa-Reihe von Voigtländer verwendet. Alle diese wundervollen Kameras sind möglichst kompakt und unscheinbar. Mit ihnen kann man Leuten richtig dicht auf die Pelle rücken, ohne wirklich als störend empfunden oder überhaupt beachtet zu werden und somit in Welten vorstoßen, zu denen man sonst keinen Zutritt gestattet bekäme. Es geht um den intimen Zugang zu bestimmten Dingen, um Respekt und um subtile Nuancen. Aber ich fange an, zu philosophieren und blasiert zu schwätzen… trotzdem stimmt’s!  Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Aber zurück zu den Messsucherkameras und dem Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon. Verglichen mit einer großen Spiegelreflexkamera wie z.B. der Sony Alpha 99 sind Messsucherkameras klein, handlich, unscheinbar und wirken soooo retro, dass man von unbedarften Zeitgenossen selten als Photograph wahrgenommen wird. Meist wird man mit einem Touristen gleichgesetzt, der mit seiner Uralt-Kamera ein wenig “knipst”. Auch versprüht diese “altmodische und entschleunigte” Art der Photographie einen gewissen Charme, dem sich auch das etwaige Motiv nicht entziehen kann. Wird man doch mal bemerkt, erntet man eher ein freundliches Schmunzeln als ein misstrauisches Stirnrunzeln – jedenfalls ist das meine persönliche Erfahrung.

Das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon spielt diesem Clichée von “Schau Dir mal den Kerl mit seiner kleinen Kamera an!”  voll in die Karten : Klein, leicht, “unbedrohlich” – aber mehr als oho! Ein Understatement raffiniertester Art. Übrigens lautet die korrekte Bezeichnung, wie sie auch auf der Zeiss-Homepage zu finden ist, “Biogon T* 2/35 ZM” – ich finde diesen Namen aber reichlich kantig und nenne es einfach “Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon”. Man sehe es mir nach Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Quelle : Carl Zeiss AG
- Hier sieht man wunderschön die schließenden Blendenlamellen, die eine kreisrunde Öffnung produzieren und somit ein weiches Bokeh und “runde Lichter” erzeugen.

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review : … oder doch das Leica 35 Summicron?

35mm gelten als die klassische Reportagebrennweite. Nicht zu weitwinklig, als dass zu starke Verzeichnung auftreten würde und nicht zu telelastig. Dies erlaubt es, dem Motiv näher zu kommen und trotzdem noch etwas vom Umfeld zu zeigen. Gerade für Kontextportraits ist das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon wunderbar geeignet! Müsste ich mich für den Rest meines Lebens für EINE Brennweite entscheiden – es wären 35mm Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review Wenn man doch mal einen engeren Bildausschnitt benötigt, kann man die Bilddatei immer noch zuschneiden.

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Wie dem auch sei : Man kommt, wenn man sich für 35mm-Objektive interessiert, fast schon zwangsläufig irgendwann auf das Leica 35mm Summicron ASPH (Summicron heißen bei Leica alle Objektive mit Lichtstärke von 2.0) und auf das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon (ZM steht für die M-Mount-Reihe von Zeiss), die in eindeutiger Konkurrenz zueinander stehen. Die Daten könnten ähnlicher nicht sein :

  • Beide 35mm Brennweite
  • beide Lichtstärke von f2.0
  • beide klein, leicht, hervorragend verarbeitet
  • beide in schwarz oder silber erhältlich

Hier noch eine Tabelle. Die Werte für das Zeiss sind blau gefärbt – für Leica rot. Wenn beide Werte identisch sind, wurde keine Unterscheidung gemacht. Die Daten habe ich nicht selbst geprüft, sondern stammen von den jeweiligen Herstellern.

Brennweite 35 mm
Blendenbereich 2 – 22 (drittel Stufen) 2-16 (halbe Stufen)
Fokussierbereich 0,7 m – ∞
Anzahl Linsen/Gruppen 9/6    7/5
Abbildungsmaßstab an der Nahgrenze 1 : 18  -  1 : 17,5
Gewicht 240 Gramm      255 / 340 Gramm (schwarze / silberne Variante)
Bildwinkel diag./horiz./vert. 63/54/38 °
Filter M 43 x 0.75     “Standard E39″ Filter
Maße (mit Deckeln) ø 52 mm, Länge 68 mm    53 mm, Länge 34,5 mm
Straßenpreis (gebr.) 800 €2000 €

Wieso also soll man sich großartig Gedanken machen und nicht einfach ne Münze werfen? Ist doch eh egal! Hohohoooo, nicht so vorschnell, junger Padawan Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review Das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon ist – ebenso wie das Leica 35mm Summicron ASPH weit mehr als die Summe seiner technischen Daten und jedes dieser beiden Objektive ist ein “Charakterdarsteller” . Anders ausgedrückt :  Sowohl ein 7er BMW als auch eine S-Klasse ist für sich genommen ein geiles Auto – die Wahl ist aber alles andere als beliebig.

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Quelle : Carl Zeiss AG
Seitenansicht des 35er Biogon

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review – Schärfe ist überbewertet

Wer dieses Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review liest, weiß vermutlich, dass ein Bild weitaus mehr ist als gnadenlose Schärfe auf Pixelbasis und möglichst viele Megapixel. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass ein wirklich gutes Bild schon als Thumbnail das Auge auf sich ziehen sollte. Es kommt auf Bildgestaltung, Farben und Kontraste an!

Normalerweise sieht man sich ein Bild in keiner höheren Auflösung als 1200×800 Pixel an oder druckt sie als 10×15 Fotos aus. In diesen Größen ist Schärfe Nebensache und Objektivfehler wie Vignettierung, Verzeichnung u.a. treten in den Hintergrund. Kurz gesagt : 90% aller “Photographen” brauchen KEIN Objektiv wie das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon oder das Leica 35mm Summicron! Diese Objektive richten sich an die restlichen 10%, die entweder die optischen Qualitäten WIRKLICH BRAUCHEN – oder aller Vernunft zum Trotz einfach nur HABEN WOLLEN. Vernunft ist sowieso ein todlangweiliger Zeitgenosse Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Ab und an können 35mm weitwinkliger sein, als man denkt….

“This being said” ist das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon wirklich sauscharf – selbst auf Pixelebene, selbst bei Offenblende – allein zum Bildrand lässt die Schärfe von Tabasco-Niveau zu einer milden Paprika-Note nach und die Vignette weist auch mal dezent auf ihre Existenz hin. Wer wirklich Augenschmerzen haben möchte, dem sei die magische Blende 4.0 angeraten! BAM IN THE MIDDLE OF YOUR FACE! Spielt das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon bei Offenblende bereits in einer anderen Liga als 95% aller anderen Objektive, so ist es bei f4.0 definitiv “out of this world!” Mikrokontrast, Schärfe, keine Vignettierung und noch dazu KEINE Verzeichnung (“Distortion”)! Mir ist noch kein so perfekt gerechnetes Objektiv begegnet, das noch dazu so klein ist und – im Vergleich zu Leica – günstig. Saugeil Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Wenn man nämlich (wie ich zum Beispiel) WIRKLICH ab und zu einen RIESIGEN Ausdruck seiner besten Bilder erwägt – und mit RIESIG meine ich mehr als 120cm Seitenlänge! – der möchte keinen Pixel der Sensorauflösung der Kamera an eine mittelmäßige Optik verschwenden. Bei solchen Maßstäben reduziert ein mittelmäßiges Objektiv die effektive Auflösung mal ganz schnell um ein gefühltes Drittel. Und dann brauche ich auch keine sündteure Kamera wie z.B. meine geliebte Sony A7R, die nicht nur 36 Megapixel Auflösung liefert, sondern auch auf einen Tiefpassfilter verzichtet und (neben der Nikon D800E) die derzeit (Februar 2014) schärfsten Bilder am Vollformat liefert. Merkt euch meinen Ratschlag : Wenn ihr mal 2000 € rumliegen habt (kommt vor *g*), dann investiert lieber in ein gutes Objektiv (wie z.B. das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review als in eine neue Kamera. Kameras unterliegen einem wahnsinns Wertverlust, während gute Objektive ihren Wert über Jahrzehnte halten.

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review : Verarbeitung

Wirklich gute Objektive liefern nämlich nicht nur eine wundervolle optische Leistung, sondern sind auch so verarbeitet, dass sie über Jahrzehnte hinweg nutzbar bleiben. Als Beispiel sei das wunderbare Minolta 300mm f2.8 APO G HS aus dem Jahre 1988 (!) erwähnt! Dieses Objektiv funktioniert genauso tadellos und erzielt genauso scharfe Resultate wie die aktuellen Konkurrenten. Die Autofokus-Geschwindigkeit ist einfach der Wahnsinn und die gesamte Verarbeitung atmet den Nimbus der Unzerstörbarkeit. Bei manchen Dingen erkennt man hochwertige Verarbeitung sofort, wenn man sie in Händen hält.

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon ist perfekt für Architekturphotographie : Keine sichtbare Verzeichnung.

… und genauso erging es mir beim Schreiben dieses Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Reviews. Ich kann mich noch genau an den Augenblick erinnern, als ich das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon aus der blau-weißen Verpackung entnahm und mir bereits die Lackierung und das Gefühl des Korpus zeigten, dass hier jemand Wert auf Details gelegt hat. Ich gab meiner Mutter das Biogon in die Hand und fragte sie : “Und?” Man muss dazu sagen, dass meine Mutter so viel Ahnung von Photographie und Objektiven hat wie ich vom Paarungsverhalten promiskuitiv lebender Kreuzotterweibchen. Jedenfalls spürte auch meine Mutter sofort, dass sie da ein besonderes Stück Handwerkskunst in Händen hielt. Sie drehte den Fokusring und meinte : “Das fühlt sich aber hochwertig an!”

Nein, in diesem Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review soll es nicht um die Haptik von Fokusringen gehen – aber anhand solch kleiner Details spürt man sofort, dass auch das Große Ganze passen wird. Ums nochmal mit Autos zu vergleichen : Niemand wird in einer S-Klasse Plastikzierleisten im “Wurzelholzlook” finden – was nach Holz aussieht, ist auch Holz. Und was bei Zeiss, Leica und Konsorten hochwertig aussieht, ist es auch.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben : Rein haptisch liegt das Lecia 35mm Summicron nochmal fühlbar vor dem Biogon von Zeiss! Ken Rockwell hat es mal so formuliert, dass Zeiss-Objektive vielleicht 20 Jahre brauchen, bevor sie in den Service müssen und Leica-Objektive 40 Jahre. Für mich sind das beides ausreichende Zeitspannen Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Gestochen scharf, wunderschön!

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review : Zu viel Perfektion?

Ihr merkt schon : Ich überbiete mich permanent selbst mit Lobgesängen über die Leistung und die Qualität des Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon. Wie aber sieht es mit Schwächen aus? Um ehrlich zu sein…. ich glaube, die größte Schwäche des Biogon ist seine Perfektion.

Es macht alles irgendwie zu gut, zu glatt, zu klinisch, zu scharf. Das mag gut sein, wenn man klare Resultate liebt und selbst gerne Hand anlegt, um einem Bild eine “Signatur” zu verpassen.

Wenn ich auf einem Formular unterschreibe, wird meine Unterschrift immer ähnlich aussehen. Aber dennoch macht das Schreibinstrument einen Unterschied. Eine Unterschrift mit Filzstift mag klar abgesetzte Grenzen aufweisen – aber keinen Charakter. Eine Unterschrift mit Füllfederhalter hingegen strahlt einfach auf Anhieb wesentlich mehr Klasse aus – auch, wenn sie technisch gesehen antiquiert ist. JAAAA, ok! Blödes Beispiel – aber aus lauter Einfallslosigkeit heraus ist mir kein besseres eingefallen Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Jedenfalls lässt sich dieses Modell auch auf die Photographie übertragen. Mein Stil als Photograph (meine “Unterschrift”) wird in jedem meiner Bilder zu finden sein. Mein Instrument jedoch, (also die Einheit aus Kamera und Objektiv, die ich zum Fertigen meiner Bilder verwende) wird diesem Stil nochmal einen speziellen Charakter hinzufügen. Und diesen speziellen Charakter habe ich in meinem  Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review bisher vergeblich gesucht.

Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

Rot-schwarz-weiß.

Wie also stehe ich persönlich zu diesem Objektiv?

Im Vergleich zum Leica 35er Cron würde ich mich stets für das Zeiss entscheiden! Die optische Leistung dieser beiden Ausnahme-Gläser nimmt sich eigentlich nichts – dafür ist das Biogon wesentlich günstiger! Ja, es ist ein bisschen größer – aber das fällt bei einem so kleinen Objektiv nicht wirklich ins Gewicht. Insgesamt also siegt das Zeiss für mich wegen des hervorragenden Preis/Leistungsverhältnisses.

Ich persönlich werde mein Exemplar jedoch wahrscheinlich wieder verkaufen. Warum? Weil ich das wundervolle Voigtländer Nokton 35mm f1.2 besitze. Nennt mich ruhig verrückt, denn das Nokton vignettiert stark, ist längst nicht so scharf, wiegt wesentlich mehr und ist deutlich größer…. aber es hat, was das Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon vermissen lässt : Seele.

Es zaubert ein wundervolles “Swirl”-Bokeh, ist gefertigt wie ein Panzer und lenkt durch eben die oben genannten “Unzulänglichkeiten” den Blick wie magisch auf das Motiv. Noch dazu ist es mehr als doppelt so lichtstark und ist nicht wesentlich teurer. Für mich ist das Nokton die Nummer 1, wenn es darum geht, einem Bild Leben einzuhauchen. Wer jedoch lieber ein technisch absolut perfektes Bild vorfindet, um die Realität möglichst klar abzubilden – dem sei das Zeiss ans Herz gelegt.

4 Gedanken zu “Zeiss 35mm f2.0 ZM Biogon Review

  1. Hallo Constantin,
    dein wieder mal sehr interessant geschriebenes Review endet so abrupt mit einer Negativaussage zum Charakter des Objektives. Was ist denn nun dein Overall-Fazit? Kauf oder doch zu seelenl- bz. charakterlos? Hat das Leica mehr Seele?….
    Grüße, Bernd

  2. Schön, Constantin, dass ich Deine Seiten hier entdeckt habe! Auch zum Zeiss Biogon 35/2.0 teile ich – wie beim C-Sonnar – Deine Meinung. Hatte mir das Objektiv gekauft, um für meine Zeiss Ikon ZM ein gutes 35er zu haben. Diese Erwartungen übererfüllt dieses Objektiv, perfekt und scharf in allen Lagen. Aber wenn ich ehrlich bin: ich hole es nur ganz selten aus der Tasche, irgendwas fehlt am Ende bei den Bildern, da geht es mir wie Dir. Beim Planar 50/2.0 ZM habe ich dieses Gefühl übrigens nicht, da gefallen mir die Ergebnisse fast so gut wie die mit dem C-Sonnar. Das Voigtländer 35er kenne ich nicht, es scheint mir aber für meine Kamera etwas zu schwer und zu groß zu sein, auch wenn die Ergebnisse toll sein mögen…
    Gruß Udo

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