Leica M9 – Leica Point München

Leica M9 – eine Hommage

Leica. Der Name thront schwer auf dem Olymp der Photographie und übt eine nicht ganz klar zu definierende Faszination aus. Dennoch ist es ein Faktum, dass die Messsucherkameras der deutschen Kameraschmiede aus Wetzlar seit Jahrzehnten als zuverlässiges Werkzeug zahlloser Pressefotografen und Streetphotographer bewährt hat. Irgendwas muss also dran sein, oder?

Leica M9   Leica Point München

Quelle : leica-camera.com/

Dieser Nimbus veranlasste mich, im Frühjahr 2012 zusammen mit meiner Freundin in den Leica Point in die Brienner Straße nach München zu fahren, um dort erstmals eine Leica M9 in die Hand zu nehmen und probezuschießen. Es war sofort um mich geschehen – die Bilder, die diese Kamera liefert, faszinieren. Das Schlimme hierbei war : Ich konnte mir nicht erklären, warum. Ich sah diese Bilder und wusste nicht, wieso sie so gut aussahen!

Auch meiner Freundin erging es so : Sogar eine scheinbare Nebensächlichkeit wie ein Fotobuch im Schaufenster des Leica-Points wandelte sich plötzlich in ein wundervolles Motiv.

Es dauerte drei Monate, bis ich begriff, was den Zauber der Leica M9 ausmachte.

Die nackten technischen Daten der Leica M9 sind nämlich fast jeder anderen guten Kamera unterlegen. Sei es Auflösung, Rauschverhalten, Bilder pro Sekunde : In all diesen Punkten hat die Leica das Nachsehen gegenüber hochwertigen DSLRs wie der Cannon 5D Mk. III, der Nikon D4 oder sogar der Sony A77.

Die Leica M9 muss man mit dem Herzen begreifen – und nicht mit dem Kopf. Und schon gar nicht darf man sie vergleichen.

Leica M9   Leica Point München

Quelle : leica-camera.com

Die Leica M9 hat einen Regler für die Belichtungszeit und einen Blendenring direkt am Objektiv und ausschließlich manuelle Fokussierung. Der Weißabgleich und die ISO-Verstellung sind auch noch halbwegs einfach zu erreichen – das war’s.

Und das reicht auch! Was die Leica M9 bietet, sind exakt und zu 100% die Dinge, die man beachten muss, um ein gutes Bild zu machen. Moderne Kameras hauen einem diese Parameter in affenartiger Geschwindigkeit um die Ohren, sodass man oft nicht wirklich weiß, mit welchen Einstellungen ein Bild entstanden ist.

Die Leica M9 zwingt einem zu seinem Glück. Jede Option muss einzeln eingestellt und bewusst überdacht werden. Allein das Fokussieren dauert je nach Erfahrung und Situation 0,5 – 5 Sekunden. In dieser Zeit machen andere Kameras 30 Bilder. Manche bezeichnen diese Art der Photographie als langsam – ich nenne sie gründlich. Durch diese Entschleunigung nimmt man sich als Nebeneffekt auch die Zeit dazu, sich mit der Komposition des Bildausschnitts zu beschäftigen. Das Resultat sind keine Schnappschüsse. Das Resultat sind Bilder, die man bewusst aufnimmt. Aufnehmen muss. Und genau deshalb weiß man auch stets, was man mit einem Bild ausdrücken wollte und mit welchen Einstellungen es aufgenommen hat.

Leica M9   Leica Point München

Quelle : leica-camera.com

Keine Frage : Diese Art der Photographie liegt nicht jedem und die M9 ist sicherlich nicht perfekt.

  • Das Rauschverhalten ist indiskutabel

  • durch den fehlenden Tiefpassfilter ist die M9 anfällig für Moirée

  • Kamera und Objektive sind enorm teuer

  • fast nur Festbrennweiten

 

Was ich jedoch weiß : Ich habe mich aufgrund einiger Punkte nicht gegen eine Leica M9, sondern erst einmal für die Fuji X Pro 1 entschieden. Finanziell und auch rationell waren einfach nicht beide Kameras drin Leica M9   Leica Point München

Wenn jedoch (hoffentlich) bald die verbesserte Leica M10 erscheint, weiß ich nicht, ob ich widerstehen kann – oder will.

Abschließend geht mein Dank an den Leica Point in München. Ich wurde dort so gut und menschlich beraten, wie mir das sonst nur selten widerfahren ist. Ich durfte sogar eine Leica S2 probeschießen – die ich aber ganz schnell wieder zurück in die Vitrine legte. Es bereitete mir kein gutes Gefühl, eine Kamera-Objektiv-Kombination im Wert eines Mittelklassewagens herumzutragen. Sollte ich mir jedoch eine Leica kaufen – was über kurz oder lang der Fall sein wird – so werde ich hierfür den Leica Point in München aufsuchen.

3 Gedanken zu “Leica M9 – Leica Point München

  1. Leica-Bedürfnis.
    …diesen Kommentar kann ich nicht nachvollziehen,denn irgendwo ist bei mir die Preis-Schallgrenze erreicht.Auch weil ich zu hart für mein verdientes Geld arbeiten und mir Lebenswichtigere Dinge anschaffen muß. Und ich bin auch davon fest überzeugt,so gut die Leica’s wohl auch sind,sie niemals das Geld wert sind. Man muß schon sehr verträumt sein,auf diesen kleinen roten Punkt reinzufallen. Doch,..warum nicht auch einmal träumen!

  2. Ja, ich habe auch schon nachgedacht, mein ganzes teures Canon-Gedönse zu verkaufen und mir eine M Monochrom zu leisten. Die Bildqualität dieser Camera ist für mich über jeden Zweifel erhaben. Nur der Preis für ein Gehäuse mit ein, zwei Objektiven …
    Da musste entweder sehr wohlhabend sein oder dein Geld mit dem guten Stück verdienen, oder aber eben nicht nur ein wenig sondern schon deutlich vernarrt sein und auf viel Technikbequemlichkeit zu verzichten, um mal eben so rund zwei Jahresurlaube ausfallen lassen und das gesparte Geld in eine Leica M Monchrom und zwei Objektive zu investieren. Aber für sooo eine Kamera mit dem roten Punkt… Ich darf nicht zu viel nachdenken :-)

  3. Ich kann Deine Überlegungen total nachvollziehen!

    Jedoch muss man sich bei aller erhabenen Haptik und aller mechanischen Finesse immer noch vor Augen halten, dass die Resultate nur für Pixel-Peeper von Interesse sind. Schärfe? Natürlich über jedem Zweifel erhaben! Aber bezogen auf einen normalen Ausdruck von bis zu 20×30 cm wird man kaum einen Unterschied zwischen einer Olympus OM-D EM-5 (1400 € mit gutem Objektiv) und einer Leica Monochrom (10.000 € mit gutem Objektiv) erkennen.

    Dennoch : Wenn ich Geld wie Heu hätte … Hach! :-)

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